wenn du gehen musst willst du doch auch bleiben



My grandparents, Franz & Theresia Protschka, once lived in Bohemia, a historically Czech region with large concentrations of German-speaking people. The area was one of the first to be absorbed by Nazi Germany during its expansion in the 1930s. Under the German occupation, Czech resistance was brutally suppressed. After the war ended, reprisals were swift: the vast majority of remaining Germans were expelled by force under order of the re-established Czechoslovak central government.

My grandparents were one of the families caught up in this movement of people; they lost everything they had. Eventually, they settled in Germany, but one element of their traumatic experience never left them: even as they built a new life, it was almost impossible for them to throw anything away.


They inhabited the same house in the town of Windsbach for more than 60 years; this place in the Franconia region of Germany became the center and meeting point for our family. They were both around 90 years old when they died in 2018. Unfortunately, given the circumstances in which all the descendants were living, we weren’t able to keep the house. Together with my mother, brother, and cousin, we went to clean it out before the sale.

These pictures were taken in the house during this cathartic, though difficult process. In particular, I focused on the endless decisions we had to make about whether to keep or give away historical or emotionally-charged objects. As taxing as this was, one way for us to not be too sad about losing the house –and all the associated memories – was to do absurd things in the photographs. By performing and acting for the camera, we found a way to deal with our loss and express our grief.

The title is a quote of nephew Luis, who was 9 years old at the time. He said this to me when he was my photo-assistant during a shoot in the house.



Photonews 10/2018
Text von Anna Gripp

Ende 2017 wurde das Haus der Großeltern im fränkischen Windsbach geräumt. Eine Entscheidung für die ganze Familie schließlich hatten Franz und Theresia Protschka nach der Flucht aus dem Sudetenland fast sechzig Jahre ihres Lebens hier verbracht. Kinder und Enkel lebten in der Nachbarschaft.

Als die Großeltern im Alter von ca. 90 Jahren innerhalb eines Jahres starben, war im Haus alles wie immer. Diese Kriegsgeneration schmiss nichts weg. Möbel, Kleidung, Mode – hier schien die Welt stehen geblieben zu sein. Für die Enkelin und Fotografien Nina Röder, geb. 1983 war dieses Haus nicht nur ein vertrauter Mittelpunkt der Familie, sondern auch passende Bühne für ihre fotografischen Inszenierungen.

Bereits 2008 entstand hier ihre Arbeit »Mutters Schuhe« mit Portraittryptichen der drei Frauengenerationen (Großmutter, Mutter, Tochter Nina) Später folgten die Serie »Laura« sowie »m und p«. Und so lag es nahe, zum Abschied von Großeltern und Haus nochmals eine Arbeit zu fotografieren. Der surreal-charmante Titel der Serie stammt von Röders neunjährigem Neffen. Bei den Fotografien wirkten mit: Mutter Dagmar, Cousine Laura und die Fotografin selbst. Wer möchte was als Erinnerung behalten? Welche Dinge werden »entsorgt«? Die Fotografien entstanden während dieses Entscheidungsprozesses kurz vor dem Verkauf des Hauses.

Nina Röder schreibt »Diese Arbeit untersucht also nicht nur die ästhetische Pluralität von gesammelten Objekten meiner Großeltern, sondern zeigt mit dem Stilmittel der Absurdität eine mögliche Herangehensweise mit Verlust, Trauer und Erinnerung umzugehen.« Genau diese Mischung von sentimentalem Festhalten und humorvoller Inszenierung macht den Reiz der Serie aus.

Nina Röder, die aktuell an der Bauhaus-Univerisät Weimar über performative Strategien in zeitgenössischer Fotografie promoviert und vor ihrem Master Theaterwissenschaften in Bayreuth studierte, schafft es gekonnt, sich von der braven Dokumentation zu lösen, ohne in übertriebenenm Klamauk zu landen. Ihre »Modelle« agieren aus der Situation heraus – sie wollen doch auch bleiben.


















title:
Wenn du gehen musst willst du doch auch bleiben

year:

2018

place:

Windsbach / Germany